Alleskönner
Der Landschaftsgärtner oder „der Alleskönner“!?
Wenn man die Ausbildung zum Landschaftsgärtner macht, dann könnte manchmal geradezu ein Gefühl der Überforderung auftauchen. Müssen wir eigentlich alles können, wollen wir alles können oder liegt das daran, dass die Chefs meinen mit allem Geld verdienen zu können?
Zur Übersicht einmal eine kleine Liste der Tätigkeiten, die man als Landschaftsgärtner irgendwie beherrschen sollte. Allerdings wird sie bestimmt nicht vollständig sein.
Tätigkeiten mit Pflanzen
Planung einer Pflanzung: Erkennen des Standortes was Himmelsrichtung, Sonnenscheindauer, Windrichtung, Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeitsniveau einschließt. Außerdem sind gute Pflanzenkenntnisse nötig, um eine standortgerechte Pflanzenauswahl treffen zu können.
Bodenvorbereitung, die eine Bodenanalyse voraussetzt. Das heißt, man muss sich mit Böden auskennen.
Pflanzenschutz: Man muss in der Lage sein, Schäden an einer Pflanzen zuordnen zu können. Also hat der Kunde nun einfach zu wenig gegossen oder ist es doch ein Virus? Einfach die Giftspritze hervorholen kann jeder. Nur ist der Schaden im Endeffekt größer als davor. Man muss wissen, was man tut!
Gehölzschnitt: Fachgerechte Schnittmaßnahmen sieht man leider nicht so oft, wenn man durch die Gärten geht. Woran liegt das? Wenigstens einen normalen Strauch sollte man doch schneiden können. Allerdings benötigt man dafür wieder eine ordentliche Pflanzenkenntnis. Noch viel weniger Menschen können aber dann auch große Bäume wirklich fachgerecht schneiden. Nicht umsonst gibt es eigene Fortbildungsveranstaltungen für Baumpfleger.
Staudenbeetpflege: Rückschnitt im Herbst oder doch als Winterschmuck oder Frostschutz stehen lassen? Teils Geschmackssache, teils eine Sache der Pflanzenkenntnis. Düngung, notwendig, wie viel, welcher? Welche Vorteile bringt eigentlich eine fachgerechte Mulchschicht, außer dass das heute jeder macht, weil`s hübsch aussieht und Geld bringt?
Weitere Punkte die auftreten könnten: Obstbaumschnitt, fachgerechte Unkrautbekämpfung, etc.
Tätigkeiten mit Stein und Beton
Mauerbau: trocken oder mit Bindemittel, frostsicher oder frostfrei, Stützmauer oder Futtermauer. Kennen wir die Eigenschaften der Natursteine, die wir verwenden? Wieso gab/gibt es eigentlich den Beruf Steinmetz, wenn wir das heute scheinbar so gut können...
Treppen, Wege und Terrassen: Höhen- und fluchtgerecht. Wieso gleichen viele Terrassen nach ein paar Jahren eigentlich mehr einem Hindernis-Parcours als einer ebenen Fläche?
Poolbau
Fundamente für alles mögliche
Tätigkeiten mit Wasser
Beregnung: Großes Thema, bei dem wahrscheinlich viel Wasser verschwendet wird. Aber wir ham`s ja... und außerdem bringt es Geld und es ist damit einfacher einen schönen Garten zu haben.
Teichbau und Schwimmteichbau: Selbst Profis verstehen nicht so wirklich wie Wasser funktioniert. Und wir bauen wahrscheinlich oft genug ohne viel Gedanken irgendwelche Teiche in den Garten und brauchen dann literweise Algenvernichter, damit es wenigstens scheinbar funktioniert.
Tätigkeiten mit Holz
Holzterrasse: Sehr schöne Sache, sehr schöner Baustoff. Man muss allerdings damit umgehen können und sein Holz ein wenig kennen. Außerdem: Raus mit dem Holz aus der Staunässe und zwar mit allen Mitteln, auch wenn es teurer wird. Die Alternative Tropenholz ist ungefähr so ökologisch wie ein Eimer Benzin in der Zisterne.
Pergola, Rosenbogen, Gartenhäuschen... es gibt viele Möglichkeiten mit Holz.
Weitere Materialien:
Kunststoffe aller Art
Metalle
Kleber
Asphalt
Licht im Garten...
Und alles sollten wir so beherrschen können, dass wir das ganze so verarbeiten und gestalten, dass es danach SCHÖN aussieht.
Bitte nicht falsch verstehen, ich mag meinen Beruf und ich liebe die Vielfalt. Aber es ist schlecht, wenn man Dinge tut, von denen man nichts versteht. Deswegen sollten wir als Azubis immer Nachfragen und Hinterfragen. Wer einfach das macht, was ihm gesagt wird ohne den Grund zu kennen, der lernt nichts. Natürlich mache ich, was mir mein Meister sagt, aber ich frage nach, warum!
Übrigens, ein guter Vorarbeiter ist über Mitarbeiter, die mitdenken und ihn in anständiger Weise auf seine Fehler hinweisen, normalerweise dankbar. Denn kein Mensch denkt an alles.
Und wenn Euch auf der Baustelle bei einer Sache niemand sagen kann, warum man sie so macht, dann fragt wo anders nach. Sonst steht Ihr auch noch in zehn Jahren da und macht etwas, ohne zu verstehen, warum.
Als Landschaftsgärtner muss man jeden Tag dazu lernen. Das geht gar nicht anders. Wenn man so viele Dinge können sollte, kann man gar nicht auslernen. Außer, es ist einem egal und man macht alles nur so irgendwie und am Ende kommt das dabei heraus, was man leider viel zu oft sieht. Dann braucht man sich allerdings auch nicht wundern, wenn man kaum Geld verdient.
Wenn man seine Arbeit dagegen richtig macht und sich Mühe gibt, dann wird man endlich auch einmal damit zufrieden sein.
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