Heute möchte ich ein paar Tipps zum Lernen der Pflanzen weitergeben.
Ich finde es schade, wenn ich mitbekomme, dass sich viele nicht wirklich Mühe geben, um die Pflanzen zu lernen. Wir lernen doch den Beruf Gärtner. Pflanzen sind doch eigentlich eines unserer wichtigsten Arbeitsmittel, wenn nicht sogar das wichtigste.
Aber ich erlebe das leider auch bei mir im Betrieb, dass die Pflanzen am Schluss einer Baustelle noch kurz gepflanzt werden und letztlich nur so einen Nebenposten darstellen. Das liegt vielleicht auch daran, weil oft gesagt wird, man könne mit Pflanzen nicht viel Geld verdienen.
Dabei könnte die Pflanzung am Ende einer großen Baustelle die Krönung einer perfekten Arbeit sein. Sozusagen die Sahne auf dem Eis.
Das ist aber natürlich nur möglich, wenn man sich mit den Pflanzen auskennt. Wenn man weiß, wie sie sich entwickeln, wie groß sie werden, wie und wann sie blühen und so weiter. Ehrlich gesagt, das ist schon viel, was man da lernen kann.
Aber irgendwo muss man mal anfangen. Und am besten ist es, wenn man egal wo man ist, immer mal wieder einen Blick auf die Pflanzen wirft und sie beobachtet, zum Beispiel beim Spazierengehen oder dergleichen. Denn allein durch auswendig lernen hat man keine Chance den Pflanzen näher zu kommen. Aber ohne auswendig lernen wird man auch Schwierigkeiten haben, die Pflanzen zügig zu lernen.
Mein Konzept für das Pflanzenlernen besteht deshalb aus mehreren Elementen:
Am Anfang steht für mich das Kennen der Namen. Solange ich den Namen einer Pflanze nicht kenne, kann ich sie auch nicht lernen. Das bedeutet, man sollte zuerst einmal den deutschen und botanischen Namen einer Pflanze kennen. Wenn ich dann irgendwie auf der Baustelle bin und der Capo sagt zu mir: „ Hol mal den Ranunkelstrauch da drüben!“ Dann macht es klick und mir fällt ein, dass Ranunkelstrauch botanisch Kerria japonica heißt und während ich die Pflanze hole, schaue ich sie mir genau an. Und so bekomme ich ein Bild der Kerria japonica in meinen Kopf.
Wenn dagegen mein Capo zu mir sagt: „Hol mal die Kerria japonica da drüben!“ Und ich verstehe nur Bahnhof und überlege, ob das nun Terria saponica oder Karie janopica geheißen hat, dann merke ich mir ganz sicher auch nicht, was das nun für eine Pflanze ist, die ich da trage.
Deswegen müssen unbedingt die Namen in den Kopf.
Das Interesse für Pflanzen nenne ich den zweiten Schritt. Damit meine ich, dass man immer auf die Pflanzen um sicher herum achtet. Auf der Baustelle sollte ich das sowieso tun und eben auch meinen Capo fragen, was das für eine Pflanze ist. Wer nicht fragt, der lernt nichts. Aber auch sonst sollte man immer ein offenes Auge für Pflanzen haben.
Wenn ich mir viele Pflanzen genau ansehe, die Unterschiede zu erkennen lerne und die Veränderung ihres Aussehens über das Jahr bemerke, dann wird es mir danach leichter fallen, sie zu unterscheiden. Am Anfang sehen viele Koniferen gleich aus, doch bei genauer Betrachtung sind genügend Unterschiede vorhanden. Das Erkennen dieser Unterschiede muss sich aber erst nach und nach im Kopf entwickeln. Wenn ich allerdings nie den Versuch mache, Unterschiede zu erkennen, dann entwickelt sich gar nichts.
Wenn man etwas lernt, so ist immer das Wiederholen zentral, um das Gelernte im Kopf zu behalten.
Und wiederholen kann man den ganzen Tag. Wenn man sich immer wieder umschaut und versucht die Pflanzen am Straßenrand und in Nachbars Garten zu bestimmen und auf eine bekannte trifft, dann wiederholt man automatisch. Zusätzlich ist es aber natürlich durchaus nützlich, auch einmal die Software auf der AuGaLa-CD zu nutzen oder mit einem Katalog etwas zu wiederholen.
Etwas, das ich auch sehr gerne mache, ist der Besuch eines botanischen Gartens, bei dem die Pflanzen gut beschriftet sind. Dort kann man dann ganz konzentriert bekannte Pflanzen wiederholen und auch ein paar Neuheiten entdecken.
Und zum Schluss: Es ist vielfach erfolgreicher und auch länger anhaltend, wenn man sich während seiner ganzen Lehre immer mit den Pflanzen beschäftigt und natürlich danach sein ganzes Leben lang.
Und es macht doch auch Freude immer mehr von diesem so wunderbaren Reich zu entdecken. Auf Englisch heißt das Pflanzenreich „the Plant Kingdom“ und ich finde das ist es.
Hier ein Beispiel:

Diese Victoria cruziana ist wahrscheinlich die größte Seerosenart. Ihre Blätter haben tatsächlich eine Tragkraft von bis zu 60kg. Das wäre doch mal ein Blickfang im Garten.