14.
Jan
Wer ist ein Gärtner?
2010
Manchmal muss man sich grundsätzliche Fragen stellen. Heute ist so ein Tag. Ich habe heute ein neues Buch bekommen. Der Autor schreibt in der Einführung zum Buch einige Gedanken, die mich dazu veranlasst haben, mich zu fragen, wer ein Gärtner ist.
Bin ich Gärtner, wenn ich eine Ausbildung im Beruf Gärtner abgeschlossen habe? Wenn ich danach aber als LKW-Fahrer arbeite sicher nicht. Bin ich aber weiterhin in der „Grünen Branche“ tätig, dann schon eher. Wenn ich aber in einer Firma arbeite, bei der ich zu 70% mit Beton oder Naturstein, zu 20% mit Zierkies und zu 10% mit Buxus sempervirens, Cortaderia selloana und Thuja oxidentalis arbeite, bin ich dann Gärtner?
Wenn ich 70% meines Umsatzes mit Bautätigkeiten verdiene und der Rest Standardpflanzungen sind, bin ich dann Gärtner? Oder bin ich dann nicht eher die grüne Variante der Fast-Food-Ketten? Fast-Food wird ja auch als Essen verkauft, obwohl die Zutaten zweifelhaft sind.
Wenn also ein Minimum an Pflanzenverwendung jemanden zum Gärtner macht, dann kann sich jeder Hausmeister Gärtner nennen. Das soll jetzt nicht abwertend gegen die Hausmeister sein, die in ihrem Fachgebiet bestimmt oft gute Arbeit leisten. Aber vom Gärtnern haben die meisten wohl kaum Ahnung.
Also, ab wann ist man Gärtner?
Ich persönlich denke, dass man das nicht an Titeln oder Zahlen festmachen kann. Das Gärtnersein hat für mich viel mit der persönlichen Einstellung zu tun. Ein Rentner, der liebevoll seinen Garten pflegt, ist für mich mehr Gärtner als manch einer, der von Beruf Gärtner ist. Es ist letztlich eine Lebenseinstellung. Will ich in unserer hochtechnisierten Welt mit dem natürlichen Teil der Welt zusammenleben oder sind Pflanzen für mich nur bessere Kunstwerke, die dummerweise oft nicht lange haltbar sind? Sehe ich also eine Verantwortung zur Bewahrung der Schöpfung oder will ich als Diktator alles meinen Bedürfnissen anpassen?
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