13.
Mai

Wie es ist, immer mehr selbstständig zu arbeiten

2010Eingetragen von MUlmer 0 Kommentare

Dieses Frühjahr haben wir neue Mitarbeiter bekommen. Dadurch hat sich in der Zusammensetzung der Kolonnen etwas geändert. Ich bin daher meistens mit dem „Neuen“ unterwegs oder ganz alleine. Die Folge davon ist, dass ich die letzten Wochen relativ viel Verantwortung übernehmen muss bzw. mich selbst organisieren muss. Da der „Neue“ den Betriebsablauf noch nicht kennt, ist er öfters mal darauf angewiesen, dass ich ihm sage, wie wir bestimmte Dinge handhaben. Und wenn ich alleine unterwegs bin, um bspw. Pflegearbeiten zu machen, dann bin ich sowieso auf mich gestellt.

Und das ist manchmal gar nicht so einfach, wie das von außen aussieht. Ich habe z.B. folgendes festgestellt: Wenn ich mit meiner Kolonne unterwegs war, habe ich oft spätestens ab 11:30 Uhr auf die Mittagspause gewartet. Bin ich jetzt aber alleine unterwegs, dann stehe ich manchmal so unter Strom, dass ich mittags gar nicht die Ruhe finde, etwas zu essen. Da will ich zuerst das eine noch fertig machen und dann sollte das nächste auch noch schnell fertig sein und so schreitet die Zeit immer mehr voran, ohne dass ich Mittag gemacht habe. Da merkt man erst einmal, wie ein Kapo vielleicht auch manchmal unter Strom steht, weil laut seiner Planung noch etwas fertig werden sollte.
Ich weiß nicht, wie das bei Euch in den Betrieben ist, aber ich denke es ist meistens so, dass der Kapo an alles denken muss. Er muss sich überlegen, was man am nächsten Tag macht und was für Werkzeug, Maschinen oder Materialien man dafür mitnehmen muss. Er muss frühzeitig die beste Reihenfolge bestimmter Arbeitsschritte festlegen, damit man nicht im Kreis arbeitet bzw. die nötigen Materialien dann auch verfügbar sind. Und schließlich muss er die Arbeitsanweisungen geben. Wir als Azubis dagegen laufen meistens einfach nur hinterher und machen, was uns gesagt wird. Deswegen sage ich auch gerne, dass ein kluger Kapo über jeden Azubi bzw. Gesellen froh ist, der selbstständig mitdenkt und ihn auch mal an was erinnert.
Wenn man nun alleine unterwegs ist, dann muss man selbst an das ganze Werkzeug denken. Klar, unser Ingenieur schreibt mir auch Listen, aber an alles denkt er auch nicht und bei Routineaufgaben schreibt er mir auch keine Listen mehr. Problematisch ist das vor allem, wenn man kein eigenes Auto hat. Denn im eigenen Auto sind viele Werkzeuge einfach vorhanden, die im fremden Auto fehlen. Und genau diese Standardwerkzeuge vergisst man dann gerne.
Und auch die Arbeitsorganisation muss klappen. Natürlich ist das nicht so schwer, weil man nur sich selbst organisieren muss. Aber trotzdem sollte man keinen Arbeitsschritt vergessen, sonst wird’s vielleicht unangenehm. Mit einem Kapo ist das einfach: Wenn man seine Arbeit fertig hat, geht man zum Kapo und lässt sich eine neue geben. Außerdem kontrolliert der Kapo die Arbeit auch oft direkt und gibt Rückmeldung. Diese direkte Rückmeldung ist manchmal doch ganz beruhigend.
Nun habe ich bisher vor allem die Schwierigkeiten aufgezählt. Aber natürlich macht es auch eine Menge Spaß, alleine zu arbeiten. Man kann selbst kreativ sein und seine eigenen Ideen umsetzen. Darum kann ich Euch nur Mut dazu machen: Versucht Euren Chefs zu zeigen, dass Ihr auch selbstständig arbeiten könnt.

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